Am Ende war es das reinste Glücksspiel. Aber da bekanntlich nur der Tüchtige am Ende der Glückliche ist, heißt der alte und neue Stadtmeister im Schach Edgar Ribbeheger. Im wohl packendsten Finale aller Zeiten standen gleich vier Akteure nach den sieben Runden mit 5,5 Zählern punktgleich an der Spitze. Nur auf Grund der Buchholzwertung (Feinwertung) setzte sich der Titelverteidiger durch und gewann damit zum dritten Mal in Folge die Titelkämpfe.

Vor der letzten Runde schien eigentlich alles auf Marco Lombardi als neuen Schachkönig hinaus zu laufen. Bereits ein Remis hätte ihm genügt. Vielleicht auch deshalb agierte er ungewohnt vorsichtig. Sein Gegner Markus Rohloff dagegen setzte alles auf eine Karte. Denn auch Rohloff hätte noch Stadtmeister werden können. Als Lombardi nach einem frühen Figurenverlust auf Verlust stand, witterten auch die anderen Verfolger Martin Weber, Josef Czarnik und Ribbeheger Morgenluft. Nach nur zwei Stunden gab sich Lombardi dann geschlagen. Von da an herrschte Spannung pur.

Nur wenig später gewann der topgesetzte Weber souverän seine Partie gegen Frank Baars. Zu diesem Zeitpunkt war nun Weber neuer Stadtmeister. Aber Weber musste lange, lange zittern. Denn nun hing alles an der Partie zwischen Czarnik und Ribbeheger. Bei einem Remis wäre Weber durch. Czarnik und Ribbeheger machten es wirklich spannend. Es war weit nach Mitternacht. Die fünf Stunden Bedenkzeit fast komplett verbraucht. Die Stellung nach oft wechselnden Vorteilen in die Remisbreite verflacht. Als Czarnik dann alles oder nichts spielte ging der Schuss nach hinten los. Ribbeheger nutzte die Gunst der Stunde und setzte den gewinnbringenden Konter.

Nun lagen mit Lombardi, Rohloff, Weber und Ribbehger gleich vier Spieler punktgleich an der Spitze. Turnierleiter Michael Rath musste nun sogar auf Rechnerhilfe zurückgreifen, um ja keinen Fehler zu begehen. Und der Rechner zeigte es dann Schwarz auf Grün:

1. Ribbeheger (32,5 Buchholzpunkte), 2. Weber (29,5), 3. Lombardi (28,5) und 4. Rohloff ( 27). Wären nur zwei der restlichen zwölf Partien anders geendet, wäre Weber vorne gewesen. Das reinste Glücksspiel also.

Die Einzelergebnisse der letzten Runde:

Lombardi – Rohloff 0:1, Czarnik – Ribbeheger 0:1, Weber – Baars 1:0, L. Lehmann – A. Schulz ½, Pöter – Rath 1:0, Biegner – Michalicek 0:1, Arfert – Dreckmann 1:0, Kulinna – Panian 1:0, Berg – Dr. Damm 1:0 k, Michaelis – Walter 0:1, Menge – Hoffmann 0:1, Keblat – H. Töppich ½, S. Töppich – B. Lehmann 0:1, Ave – Söntgens ½, Dudziak – Hüwener 0:1.

Der Endstand nach sieben Runden:

5. Czarnik (4,5;31,5), 6. Pöter (4,5;27), 7. L. Lehmann (4,5;26), 8. Baars (4;27,5), 9. Michalicek (4;25,5), 10. Arfert (4;25,5), 11. Schulz (4;24), 12. Kulinna (4;20,5) 13. Berg (4;19), 14. Rath (3,5;28), 15. Biegner (3,5;26,5), 16. Walter (3,5;26), 17. Hoffmann (3,5;23), 18. Dreckmann (3;29,5), 19. Panian (3;25), 20. Dr. Damm (3;24,5), 21. Michaelis (3;23,5), 22. B. Lehmann (3;20), 23. Menge (2,5;23,5), 24. H. Töppich (2,5;23,5), 25. Hüwener (2,5;19,5), 26. Keblat (2,5;19,5), 27. S. Töppich (2;21,5), 28. Ave (2;21), 29. Söntgens (2;18,5), 30. Dudziak (0,5;19). 

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